Kontaktdaten

Flecken Clenze
Gemeindedirektor: Hubert Schwedland
Lüchower Straße 13a
29459 Clenze
Telefon: 05841-126 101
clenze@luechow-wendland.de

Bürgermeister: Uwe Schulz
Bussau 4
29459 Clenze

Einwohnermeldeamt:
Mo., Do. + Fr. 8.00 bis 12:30 Uhr

Einwohnerzahl: 2.382

Anzahl Ortsteile: 27

Besondere kulturelle Angebote
Clenzer Culturladen
www.culturladen.wendland-net.de
Das Blaue Haus
www.museum-clenze.de

Besondere Produkte und Bildungseinrichtungen
Big Band Beginners der Drawehn-Schule
www.drawehn-schule.de - Projekte - Big Band Beginners
Storchenbier
www.wendlandbraeu.de

Welche Raritäten oder Kuriositäten gibt es zu bestaunen?
Findlingspark
www.findlingspark-clenzer-schweiz.de

Besondere historische Bauten
Sankt Bartholomäuskirche von 1856

Erwähnenswerte historische Ereignisse
Erste schriftliche Erwähnung der Ortschaft Clenze im Jahr 936

Besondere Serviceangebote
Trauungen im Findlingspark
www.luechow-wendland.de - meine samtgemeinde - heiraten
Freibad Clenze
www.freibad-clenze.de

Natursehenswürdigkeiten
Clenzer Schweiz
www.naturpark-elbhoehen-wendland.de
Steingrab bei Kloster

Die Clenzer Mühle

Der Marktflecken Clenze hat, einiges vorzuweisen, was die Aufmerksamkeit lohnt. Da ist nicht nur der den Ort überragende Kirchberg, ein Hügel, um den der Flecken einst entstand. Oder die einzige Gesamtschule des Landkreises Lüchow-Dannenberg. Gemessen am Zuspruch ist sie die erfolgreichste Schule im Kreis. Oder der Clenzer Culturladen, aus nichts als der Begeisterung für Kultur entstanden. Oder der neu gebaute Kommunikationsraum K3. Aber es gibt einen Ort, der mehr als alle anderen die Gesichter vieler Clenzer belebt, wenn die Sprache auf ihn kommt. Dann geht ein leichtes Lächeln über das Antlitz einer ganzen Generation. Einer Generation, die weit über Fünfzig ist. Der Ort existiert nur noch in der Erinnerung, in den Geschichten, die über ihn erzählt werden. Für die, die daran beteiligt waren, war es einer der wichtigsten Orte ihres Lebens. Der Ort hieß „Clenzer Mühle“. Es gab ihn von 1968 bis 1982.  

Da, wo sich einst eine Windmühle auf dem Hügel nördlich von Clenze gedreht hatte, stand damals ein Gasthaus mit einem schon zu jenen Zeiten ziemlich lädierten, um nicht zu sagen: heruntergekommenen Anbau. Aber von 1968 an war er für junge Leute weit über Clenze hinaus an jedem Wochenende der zentrale Ort des Interesses. Wer keinen Führerschein hatte - den gab es erst mit 21 - versuchte, in den Dörfern des Wendlandes einen Verwandten oder Bekannten mit fahrbarem Untersatz aufzutreiben, der ihn zur Clenzer Mühle fuhr. Erst jeden Sonnabend, später auch freitags. 

Die Mühle war die erste und für Jahre die einzige Disco in Lüchow-Dannenberg. Von weit her kamen junge Leute hierher. Randvoll war der kleine, schummerige Saal häufig. Die Leute standen Schlange bei der Öffnung. Bis ein Uhr nachts ging der Betrieb, dann war Schluss. Jedenfalls in der Disco. Deren Ruf wurde legendär. Nicht nur wegen der häufigen Schlägereien. Die gab es, aber man musste daran nicht beteiligt sein. Es gibt noch heute ehemalige Stammgäste, die von Schlägereien nichts mitbekommen haben. Und doch gab es sie. Die für die Erinnerungsgeschichte wichtigsten fanden zwischen einheimischen Haudraufs und italienischen „Gastarbeitern“ statt. Die kamen an jedem Wochenende extra aus Wolfsburg angereist. Der weibliche Teil der jungen wendländischen Bevölkerung war für südländische Umgangsformen sehr wohl empfänglich, was den männlichen Teil verunsicherte. Aus Verunsicherung wurde Aggression und daraus eine Prügelei. Mit schöner Regelmäßigkeit, wie sich Beteiligte erinnern: „Es ging immer um die Frauen.“ 

Aber das ist nur die eine, die vielleicht spektakulärste und verrufene Seite der „Clenzer Mühle“. Langfristig viel wichtiger waren andere Dinge. Die Tatsache etwa, dass die Mühle direkt neben dem Clenzer Freibad mit vielen abgelegenen, von Büschen verdeckten Ecken der Liegewiese lag. Was nachts bei selbstverständlich verbotenen Besuchen die wechselseitige Kenntnis der Geschlechter förderte. Es gibt die Anekdote, wie der örtliche Polizist nach solchen Badebesuchen in die Disco kam, um nach nassen Häuptern zu fahnden.

Die Mühle war für die jungen Leute ein Fenster zur Welt. Das, was als neueste Hits im Fernsehen zu sehen, im Radio zu hören war, dazu konnten sie sich am Wochenende auf der Tanzfläche austoben. Es war ein Stück Stadt in einer ländlichen Gegend, in der der Bewegungsspielraum noch sehr eingeschränkt war. In andere Landkreise zu anderen Ereignissen zu kommen, war längst nicht selbstverständlich. In der Mühle war noch klar zu erkennen, wer „die Bergener“ waren, oder wenn „die Wustrower“ kamen. Gegen andere hielten „die Clenzer“ zusammen. Es war eine noch sehr nach Herkunftsorten organisierte Cliquenstruktur. Die Musik, zu der getanzt wurde, war da schon eine Blickweitung.

In den ersten Jahren gab es nicht nur Musik aus der Dose. Einmal im Monat wurde live gespielt. Da fallen beim Erinnern Namen wie Dave Dee, Dozy usw. und andere. Stammgruppe, weil aus der Gegend, waren die „Echos“. Jahrelang ging das so. Für die jungen Leute am Wochenende war die „Clenzer Mühle“ ein Ort, um sich auszuprobieren. Für einige auch der Ort, an dem sie den Partner für die nächsten Jahrzehnte fanden. Auf jeden Fall aber ein Ort, der eine Erfahrung fürs Leben war. Damals, als vieles möglich war, mehr, als dann daraus wurde. Deshalb auch die Spur von Traurigkeit im Lächeln, wenn es um die Erinnerung an die „Clenzer Mühle“ geht. Viele, die heute in Clenze und Umgebung um die Sechzig sind und älter, verbindet diese Erinnerung. Sie ist nicht wegzudenken aus ihren Lebensgeschichten.  

Später kamen andere Tanzschuppen in Lüchow-Dannenberg und an den Kreisgrenzen auf, in Küsten, Lüchow, Hitzacker, Göddenstedt, Schnega. Die Clenzer Mühle war jedoch der Erste. Der Anbau, in dem alles stattfand, ist längst verschwunden. Das Haus selbst ist Wohnhaus, bei dem nichts an die Bedeutung erinnert, die der Ort für viele hat. Aber wenn jemand heute danach gefragt wird, erweckt die Erinnerung noch immer starke Gefühle.  

Karl Friedrich Kassel