Kontaktdaten

Gemeinde Lemgow
Bürgermeister: Horst Kaufmann
OT Trabuhn Nr. 40
29485 Lemgow
Tel. 05883-226+211, Fax: 05883-415
Mobil: 0171-120 13 82
kaufmannhorst@web.de

Bürozeiten:
nach Vereinbarung

Einwohnerzahl: 1.390

Anzahl Ortsteile: 12

Außergewöhnliche Veranstaltungen
Reitturnier in Bockleben
www.rfv-lemgow.de

Besondere kulturelle Angebote
Grünes Band
http://www.erlebnisgruenesband.de
Kirchen + Kapellen
www.evangelisch-im-wendland.de

Welche Raritäten oder Kuriositäten gibt es zu bestaunen?
Bohldamm bei Volzendorf

Besondere historische Bauten
Hohe Kirche Lemgow
www.evangelisch-im-wendland.de
Zweyer-Fürsten-Holtz
www.arendsee.de

Natursehenswürdigkeiten
Landgrabenniederung
http://de.wikipedia.org
Forst Planken
http://www.naturpark-elbhoehen-wendland.de

 

Wendland als Einwanderungsland ...

Es ist unwahrscheinlich, dass Horst Kaufmann die Rolle seines ehemaligen Bürgermeister-Kollegen aus Clenze spielen kann. Der war für seine launigen Ansprachen in Plattdeutsch bekannt, wie etwa bei den jährlichen Entlassungsfeiern an der Kooperativen Gesamtschule in Clenze. Wenn Horst Kaufmann, der Bürgermeister der Gemeinde Lemgow im Wendland, etwas zu sagen hat, dann auf jeden Fall nicht „up platt“. Sein Tonfall, das rollende R seines Akzents verrät sofort: Kaufmann kommt nicht von hier. Er ist Franke. Da ist er nicht der Einzige in der Nordostecke Niedersachsens. Schließlich gibt es hier seit den sechziger Jahren ein Zweigwerk des Kugellagerherstellers SKF, dessen deutscher Hauptsitz Schweinfurt ist. Im Laufe der Jahrzehnte kamen immer wieder SKF-Mitarbeiter fränkischer Herkunft ins ehemalige Grenzland zwischen Heide und Elbe. Nicht wenige blieben. Aber ein Franke als Bürgermeister im Wendland, noch dazu ein Bauer - damit ist das Oberhaupt der Gemeinde Lemgow einmalig.

Was den inzwischen 55jährigen Kaufmann 1987 aus Franken ins Wendland, verschlug, ist eine in Norddeutschland eher ungewohnte Situation. Hier sitzen Bauern auf dem eigenen „Hof“, nicht selten über viele Generationen, manchmal seit Jahrhunderten. Gepachtet wird Land, aber nicht die Hofstelle selbst. Die Eltern Kaufmann dagegen hatten einen Gutshof gepachtet. Als der Pachtvertrag auslief und ein Spross des Eigentümers selbst Landwirtschaft betreiben wollte, musste sich der Jungbauer Horst Kaufmann entscheiden: Entweder weiter Bauer, dann musste er „auswandern“. Oder in der Heimat bleiben. Das bedeutete: Einen anderen Beruf wählen. Kaufmann entschied sich für die Landwirtschaft und ging auf die Suche nach einem passenden Hof. Den fand er ausgerechnet im ehemaligen Königlich Hannoverschen Wendland. 

Mehr noch als heute galt diese Provinz in jenen Jahren wegen der Nähe zu „Gorleben“ als unruhiges Pflaster. Es kam vor, dass Touristen einen Bogen um die Region machten. Das Wendland wurde außerhalb seiner Grenzen mit Bildern von Straßenblockaden und Polizeieinsätzen gleichgesetzt. Ausgerechnet in die Gegend mit diesem schlechten Ruf ging der Bauer aus Franken. Die Entscheidung fiel nicht leicht. Aber die Familie war einverstanden. 1987 wechselte Kaufmann von den Hügeln Frankens ins eiszeitliche Wendland, in das Dorf Trabuhn im Lemgow. Als Katholik ins protestantische Norddeutschland. Vermisst hat er seitdem nichts. Alles war Neuanfang, war spannend und fordernd. Die neue Heimat machte es ihm aber auch leicht. Die Begründung des „Zugewanderten“ muss denjenigen überraschen, der an das Klischee von den zugeknöpften Norddeutschen und den aufgeschlosseneren Süddeutschen glaubt. „Die Leute sind hier lockerer als in Franken“, sagt Kaufmann. Er musste keine Hürden überwinden, um in der Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden. Seine Erfahrungen bestätigten ihm Freunde und Bekannte aus Franken, die ihn in den folgenden Jahrzehnten besucht haben. „Man wird hier gleich aufgenommen, steht nicht lange neben dran.“ Das Wendland als Einwanderungsland ...

Trotzdem war er überrascht über die vielen Stimmen, die er im Jahr 2000 bei seiner ersten Wahl zum Bürgermeister erhielt. Er als Katholik, als Zugereister, Zugezogener. Inzwischen empfindet er es nicht mehr als Besonderes, als Franke Bürgermeister einer wendländischen Gemeinde zu sein.

Karl-Friedrich Kassel