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Stadt Wustrow
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29462 Wustrow
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Erwähnenswerte Geschichten, Sagen oder Legenden
Keine fremden Glockengießer

Keine fremden Glockengießer

Im Jahre 1691 vernichtete ein großer Brand das ganze Städtchen Wustrow mitsamt der Kirche, dem Pfarrhaus und den darin befindlichen Kirchenbüchern. Den Flammen zum Opfer fiel dabei auch eine umfangreiche Sammlung der kaum noch gebräuchlichen wendischen Sprache, angelegt und handschriftlich fast vollendet vom damaligen Pastor Christian Henning von Jessen.

Trotz der verheerenden Zerstörung der Kirchengebäude und des damit verbundenen Verlustes dieser einmaligen und kulturell wertvollen Schriftstücke und Texte wurde bereits wenige Jahre später um 1700 die Kirche wieder neu erbaut und für die Gottesdienste hergerichtet. Des Weiteren wurde ein Fachwerk-Kirchturm angefügt, der natürlich auch mit einer Kirchenglocke ausgestattet werden musste. Doch es stellte sich die Frage, wo man sie möglichst ortsnah anfertigen lassen konnte.

Der Wustrower Kirchenvorstand und der damalige Pastor Friedrich Löhr hatten dafür bereits Kontakt zu dem Glockengießer Ziegener (Ziegner) im nur 11 km nahe gelegenen Salzwedel aufgenommen, um bei ihm eine schöne und repräsentative Kirchenglocke in Auftrag zu geben.

Dass der Auftrag letztlich doch nicht zustande kam, ist einem Schreiben aus Hannover zu entnehmen, das im Wustrower Kirchenarchiv gefunden wurde. Zu dieser Zeit gehörte Wustrow zum Königreich Hannover, das nahegelegene Salzwedel aber bereits zum Königreich Preußen - und lag somit im (wenn auch deutschsprachigen) Ausland.

„...billig denen einländischen Glockengießern vor aus-
wärtigen zu gönnen, zumahlen derer verschiedene
im Lande vorhanden, welche diese profession aus
dem grunde verstehen, in specie zu Lüneburg
jemand, Nahmens Johan Christian Ziegener befindlich
so begehren im Nahmen Sr. Königl. Majestät
Unseres allergnädigsten Königs, Churfürsten und Herrn
wir hiermit an Euch, Ihr wollt mit dem Superin-
tendenten und Prediger Ewer…. communicieren
damit sie hin künftig den Glockenguß keinem
auswärtigen, sondern Inländischen, welche die onera
publica und gemeine Abgiften mittragen wenn selbiger
sich nach billigkeit handeln laßen, gönnen mögen.
Uns auch wie solches geschehen, berichten. Und wir
seyn Euch freundl. … geneigt.
Hannover d. 16. May 1720
 Königl. Großbritt. Zum Churf.
 Braunschw. Lüneb. Regierung
 verordnete geheime Räthe
  F. W. Fr. von Görz

Die Wustrower akzeptierten (wenn vielleicht auch zähneknirschend) den königlichen Erlass und entschieden sich stattdessen, die Glocke im 70 km entfernten Lüneburg gießen zu lassen, das ebenso wie Wustrow zum Königreich Hannover gehörte.

Ironie der Geschichte:

Bei den Inhabern der Gießereien in Salzwedel und Lüneburg handelte es sich nämlich um Vater und Sohn Ziegener. Die Einnahmen blieben somit - trotz der hannoverschen Ermahnung - weiterhin in der Familie Ziegener. Und Wustrow erhielt zwar offiziell und rechtlich gesehen eine andere, aber schließlich doch die ursprünglich gewünschte Kirchturmglocke von der Glockengießerei Ziegener.

Fazit:

Ob Wustrow im Jahre 1700 oder Lüchow im Jahre 2013 - Das Prinzip „Buy local“ ist aktueller und gefragter denn je…

Eberhard Jacobshagen